Kann man wirklich gut werden?

Kann man wirklich gut werden?

Geschrieben von: Inga M. Larsen | Veröffentlicht: Freitag, 28. Oktober 2011

” Nicht aus dem Grund, dass man ein lieber Junge ist, kann man gut sein“, sagt der 21-jährige Ben Chadwick aus England. Der Junge hat das, wovon er redet, schon erfahren und will diese Offenbarung, die er bekam, gerne mit anderen teilen.

Ben setzt sich mir gegenüber. Zu Anfang ist er ruhig, ja fast schüchtern.


Er erzählt über eine schöne Kindheit in Durham in Nord-England. Wie viele andere Jungs in seinem Alter mag er besonders gern Fußball. Er hört auch gerne Musik; am liebsten zusammen mit guten Freunden.
 

Wenn ich auf sein geistliches Leben zu sprechen komme, ist es wie ein Glimmen in seinen Augen; alle Zurückhaltung verschwindet. Er wird bestimmt und stark in seiner Stimme:
 

„Es gibt einen einfachen Vers, wo es steht: Weil nun Christus im Fleisch für uns gelitten hat, so wappnet euch auch mit demselben Sinn; denn wer im Fleisch leidet, der hört auf von Sünden. (1. Pet. 4, 1)Das ist eine Verheißung in der Bibel, an die ich gewählt habe zu glauben. Dadurch, dass ich meinen eigenen Willen verleugne und stattdessen Gottes Willen tue, kann mit allem, von dem ich weiß, dass es falsch ist, Schluss werden.

Ich wundere mich über sein brennendes Engagement und seine Überzeugung auf diesem Gebiet.
 

Ben gehört zu einer kleinen Gemeinde in Durham. Die Gemeinde besteht aus 25 Freunden, wovon 10 Jugendliche sind. Ben ist fast der Älteste.
 

Er erzählt, dass er schon früh ein Verantwortungsgefühl in der kleinen Jugendschar bekam. Er hatte den starken Wunsch gut gegenüber ihnen zu sein. Schon früh begann er mit den Jüngeren schöne Unternehmungen zu machen.

"Du wirkst ja wie ein lieber Junge"

„Das hört sich ja an wie ein Lob“, denke ich. „Dann war es wohl immer leicht für dich ein Christ zu sein?“ fragte ich. Und völlig klar über die provozierende Wirkung, die in dieser Frage lag, lege ich zu: „Du wirkst ja wie ein lieber Junge.“


Ben erwidert ernst: „Nicht aus dem Grund, das man ein lieber Junge ist, kann man gut sein. Lange Zeit dachte ich, dass ich eine liebe Person bin. Oft bekam ich das zu hören und habe es sogar selbst geglaubt.


Ben erzählt, dass er gut mit denen, mit denen er gerne zusammen ist und die dankbar und froh waren, für das was er tat, etwas Schönes unternehmen konnte. Das Problem entstand erst, wenn er gut gegenüber denen sein sollte, mit denen er menschlich nicht einig werden konnte.
 

„Ich erlebte, und erlebe noch immer, dass es Menschen gibt, die eine Art haben, mit der ich nicht so gut klar komme. Es ist am leichtesten, sich von diesen Menschen einfach fern zu halten.“


Echte Fürsorge und Interesse

Aber Ben bestimmte sich gut zu sein. Er war nicht damit zufrieden sich fern zu halten. Er dachte an all die Fürsorge, die er bekommen hatte – nicht nur von seinen eigenen Eltern – sondern auch von solchen, die es schön für ihn machten, als er noch jünger war. Sie gaben ihm ungeteilte Fürsorge. Sie machten keine Unterschiede. Es war eine echte Fürsorge und Interesse für alle.


”Wie schaffen die das?” dachte Ben. Dieses Leben zog ihn an. Er wollte nicht einige den anderen vorziehen. Wenn er sich erst bestimmt hatte gut zu sein, sollte es nicht mit einem Vorbehalt sein.
Das was Jesus in Matthäus 16, 24 sagt, gab ihm die Antwort wonach er suchte:
 

Wenn jemand zu mir kommen will, muss er sich selbst verleugnen und sein Kreuz auf sich nehmen täglich und mir nachfolgen.

„Ich sah eine Gemeinsamkeit bei allen Menschen zu denen ich aufsah, die die Liebe und Fürsorge hatten, wonach ich auch strebte. Sie verstanden, was Jesus darüber sagte, sein Kreuz auf sich zu nehmen.“
 

Ben sah, dass die Bedeutung, ein Christ zu sein, nicht mit den sichtbaren Werken zusammenhängt, die er bis dann damit verbunden hatte. Das, zum Beispiel, etwas Schönes für die zu finden und gut gegenüber den Jüngeren zu sein, kann natürlich eine Frucht davon sein, dass man Christ ist, aber er erkannte, das Christentum viel mehr ist als das.


„Sein Kreuz aufzunehmen und Jesus nachzufolgen ist ein verborgenes Leben. Es ist ein Bild davon, das Böse, was im Fleisch wohnt zu verleugnen und zu hassen.“
 

„Sein Kreuz aufzunehmen und Jesus nachzufolgen ist ein verborgenes Leben. Es ist ein Bild davon, das Böse, was im Fleisch wohnt zu verleugnen und zu hassen.“


 

„Das bedeutet, dass ich nicht weiter mit meinem Egoismus und meinem Ärger, der in mir wohnt, umhergehen muss. Wenn ich zum Beispiel meinen Ärger – jedes Mal, wenn er aufkommt – verleugne, kann ich mit Gottes Hilfe und Kraft das Problem für immer überwinden. Das ist ein großer Trost für mich.

Ben redet mit strahlenden Augen. Er sieht aus wie einer, der gerade im Lotto gewonnen hat, und der erzählt, wie er das Geld verwenden will.


„Obwohl ich immer noch versucht bin mich zu ärgern, erlebe ich immer öfter dieses Gefühl; - jetzt habe ich etwas geschafft – ich bin etwas durchgedrungen – durch Gottes Gnade habe ich etwas getan, was ich von meiner Natur aus nicht tun wollte.
 

Das gibt mir eine Freude, die ich nicht mit Worten beschreiben kann!“

„Und nach diesen kleinen Prüfungen merkst du, dass es nichts besseres als das gibt; Nichts davon, zu sündigen oder seinen natürlichen Lüsten zu folgen, kann sich mit dem messen; zu wissen, dass ich frei von dem, was ich natürlicherweise denken oder tun will, und von meiner natürlichen Reaktion, werden kann. Das gibt mir eine Freude, die ich nicht mit Worten beschreiben kann!

"Ich muss ja beten"

Ich wundere mich über die Stärke und das Selbstbewusstsein des zu Anfang so schüchternen Jungen. Wie schafft er es mit dem Ärger aufzuhören? Ich frage, wo er die Inspiration und die Kraft dazu nimmt.


„Ich muss ja beten. Ich weiß, wenn ich mit einzelnen Personen zusammen bin, da wird es ein „Kampf“. Ich muss mich ja darauf vorbereiten.“

Er vergleicht diese kleinen täglichen Situationen damit im Krieg zu sein.


„Du musst dich ja darauf vorbereiten, dass es ein Kampf wird. Du musst zu Gott beten. Lies in der Bibel. Auf diese Weise bekommst du Worte, die zur Hilfe in den schwierigen Situationen werden. Wenn sich der Ärger meldet, kannst du Kraft von Gott bekommen zu solchen Gedanken „nein“ zu sagen. Ich
glaube dass Gott dir helfen wird, wenn du die Not hast, gut zu sein.“


Er verweist auf den Vers: ”Des Herrn Augen fahren über alle Lande um die zu stärken, die mit ganzem Herzen an ihm sind." (2. Chronik 16,9)
„Wenn du nur diese Not im Herzen hast, dass du alles Böse, was hervorkommen will und sich in den Situationen geltend machen will, hasst, dann ist klar, dass Gott dir Kraft gibt um über deine „inneren Feinde“ zu siegen,“ führt er engagiert fort.
 

Der Junge redet mit Eindringlichkeit und Überzeugung. Trotzdem lässt mich der Gedanke, „ist es nicht doch leichter für ihn?“ nicht los. Trotz allem ist er ein „lieber Junge“.

Alle haben das gleiche Fleisch

Da verweist Ben auf den Vers, in dem Jesus sagt Lukas 18, 19:


„Was heißest du mich gut? Niemand ist gut, denn der alleinige Gott.“


Ben macht klar, dass alle das gleiche Fleisch haben. Vielleicht verschiedene Tendenzen; einige sind aggressiv und aufbrausend. Andere erscheinen lieb, aber vielleicht haben sie ein echtes Problem mit Bitterkeit im Herzen. Ganz egal welche Tendenz wir haben, wir können nicht glücklich werden, solange wir diese negativen Tendenzen in unserem Fleisch haben.
 

Ganz gleich, wie lieb wir auch erscheinen, gilt es zuerst gekreuzigt zu sein, oder die Lust, das zu tun, von dem wir wissen, dass es falsch ist, weg zu reinigen. Dann sind wir imstande eine wirkliche Hilfe für andere Menschen zu sein. (Gal. 2, 19 – 20)