Ich bin in Østfold. Es ist der Abend des alljährlichen Bibelwettbewerbs, und das ist ein Wettlauf mit der Zeit.
Der Saal, in dem ich sitze, ist proppenvoll mit Jugendlichen. Ungefähr 50 Tische sind gestellt und auf jedem Tisch steht ein Laptop – das erinnert fast an eine politische Gipfelkonferenz. Der Lärm ist ohrenbetäubend und alle sind sehr damit beschäftigt zu starten.
Ich bin ein wenig nervös, weil ich hier keinen kenne, aber dann stelle ich mich doch einigen Jungen vor, die an einem benachbarten Tisch sitzen. Sie heißen Ørjan (22) und Christoffer (19). Die sind nett und haben Lust sich zu unterhalten, sie erzählen ein bisschen von sich selbst und der Gemeinde in Østfold.
Auf einmal tönt es aus dem Lautsprecher: „Der Wettbewerb ist eröffnet.“ Ørjan wendet sich dem Tisch zu und greift nach dem Laptop. Jetzt ist auch der Rest des Teams angekommen und alle Zehn recken ihre Hälse um einen Blick auf den Bildschirm zu erhaschen. Christopher beginnt die Fragen laut vorzulesen und schon hageln die Antworten auf ihn ein: „1 ist richtig, 2 ist falsch, 3 ist falsch, 4 ist richtig!“ Wenn man zu lange für eine Frage braucht, gibt es Punktabzug und das führt zu einem Wettlauf mit der Uhr.
Absolute Konzentration
Bei Frage 15 versuche ich zu fragen, wie es gehe, aber die Jungs sind ganz bei der Sache.
Der Titel „Der neue Bund und das Geheimnis der Gesetzlosigkeit“ von Sigurd Bratlie klingt nach schwerer Kost, doch diese Jungen scheinen alles unter Kontrolle zu haben. Ørjan lacht über eine Frage, er weiß sofort die Antwort. Doch bei der nächsten Frage sitzt er fest – die Rolle des Priesters im neuen Bund? „Oh“, denke ich, „das hätte ich nie beantworten können.“ Die Gruppe ist sich nicht einig, aber sie müssen sich entscheiden - denn sie Zeit läuft.
Endlich kann ich fragen, was sie für ein Gefühl haben.
„Kommt drauf an“, sagt Ørjan „aber das Meiste wussten wir. Wir werden wohl erst morgen wissen, ob wir im Finale sind!“
Die Verpflichtungen verstehen
Auf einmal ist der Wettbewerb beendet. Das erste Mal lehnen sich Ørjan und Christoffer zurück. Sie reiben sich die Augen. Die Gruppe steht auf um frische Luft zu schnappen und was zu trinken zu holen. Ich frage sie, wie es war, und sie lächeln.
„Wir sind eigentlich gar nicht so richtig darauf aus zu gewinnen. Es macht Spaß zu sehen, wer die meisten Punkte kriegt, aber in dem Wettbewerb geht es mehr darum etwas von dem Buch zu lernen.“
„Was hast Du von diesem Buch gelernt“, frage ich.
„Den großen Unterschied zwischen dem neuen und dem alten Bund“, antwortet er, „ich merke, dass ich meine Verpflichtung verstehe. Ich kann nicht erwarten, dass Gott seine Seite der Abmachung erfüllt und mich segnet, ohne dass ich mich auch verpflichte. Ich muss mich an seine Gesetze halten.
„Das Buch ist leicht“, fährt Christoffer fort, „es ist logisch, es macht Sinn und man bekommt jedes Mal wenn man es liest mehr daraus.“
Ich danke den Jungs und fahre nach Hause.
Die Ergebnisse werden morgen in Brunstad veröffentlicht und ich habe den Verdacht, dass meine Freunde unter den zehn besten sein könnten.