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Taub in einer hörenden Gesellschaft

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Taub in einer hörenden Gesellschaft

„Ich habe mir nie gewünscht hören zu können. Ich bin die Stille gewohnt, aber es wäre schön, wenn einige Lust hätte, die Zeichensprache zu lernen.“ In ihrem Interview erzählt Tatjana Sponberg sowohl von den Herausforderungen als auch von den Möglichkeiten, die sie als Gehörlose hat.
 

In einer Siedlung vor Tønsberg, Norwegen, liegt ein gelbes Haus in friedlicher Umgebung. Ich gucke durch das Fenster und werde gleich entdeckt. „Komm rein und schließ die Tür. Es ist so kalt draußen“, gestikuliert Ole Theodor. Er holt seine Frau aus der Küche, bevor wir uns setzen und mit dem Interview beginnen.

Tatjana wuchs in Russland auf, wo sie ihren norwegischen Ehemann Ole Theodor auf einer Gehörlosenmeisterschaft in Moskau traf. Sie heirateten, bekamen vier Kinder und ließen sich in Norwegen nieder.

Tatjana erzählt, dass sie spürte wie Gott in ihr wirkte, als sie ihr zweites Kind erwartete. Sie fühlte eine innere Unruhe und wünschte so sehr, zur Ruhe zu kommen. Gott führte sie zu Der Christlichen Gemeinde in Hallingdal, Norwegen. „Ich fühlte mit einem Mal, dass die Gemeinde mein Heim war. Endlich fand ich den Frieden, nach dem ich mich schon so lange sehnte. Aber weil ich taub bin, bezweifelte ich, dass ich mich in einer hörenden Umgebung integrieren könnte“, erzählt sie.

Ein Bruder aus der Gemeinde in Hallingdal begann die Versammlungen für Tatjana aufzuschreiben. Auf diese Weise bekam sie das Evangelium mit. Nach einigen Jahren zog die Familie nach Tønsberg und besuchte seit dem dort die Versammlungen. Nach und nach bekam sie und ihre Familie Übersetzung in die Zeichensprache. „Mit Hilfe eines Übersetzers kann ich Kontakt mit mehreren Geschwistern haben und ich fühle mich als einen Teil der Gesellschaft. Ich bin sehr dankbar dafür, dass es sich in der Gemeinde so gut zurecht legt. Ab und zu, wenn wir keine Übersetzung bekommen, versuchen die Kinder auf bestmögliche Weise zu kommunizieren.“

Ein Teil der Gemeinschaft zu sein ist eine Sache, aber Gemeinschaft zu haben ist etwas anderes. „Ich habe Gemeinschaft durch Lächeln und im Gespräch mit einzelnen. Für mich bedeutet Gemeinschaft den gleichen Weg zu gehen – einander zu ermuntern den Weg zu gehen, der zu ewigen Leben führt. Zu sehen und zu „hören“, dass andere nach dem Wort des Evangeliums leben, gibt mir Kraft.“

Gott gibt ihr die Kraft, die sie braucht.
„Gott erinnert mich an Worte, die in der Versammlung gesagt wurden, besonders an zwei Dinge. Das eine ist, dass ich alle Sorgen auf ihn „werfen“ muss, weil er für mich sorgt. Das zweite, dass ich demütig sein muss. Dadurch, dass ich dem Wort folge habe ich inneren Frieden“, erzählt sie.

In der Gemeinde ist die Rede vom Podium das Wichtigste, aber Gesang und Musik haben auch einen hohen Stellenwert. „Die Lieder der Gemeinde sind gut, aber ich lese sie selten. Ich ziehe visuelle Medien wie Filme und Reden mit Text dem Lesen von Liedern vor. Aber ab und zu singe ich mit meinen Kindern aus dem Familienliederbuch „Mandelblüte“. Diese Lieder sind leicht zu verstehen“, sagt sie.

Viele Hörende denken, dass es schlimm sein muss, taub zu sein. Tatjana findet das nicht: „Ich habe mir nie gewünscht, dass ich hören könnte. Ich bin die Stille gewohnt, aber es wäre schön, wenn einige Lust hätten, die Zeichensprache zu lernen.

In der Gemeinde in Tønsberg erlernen ständig mehr Kinder und Jugendliche etwas Zeichensprache. Jungen und Mädchen verwenden die Zeichen, die sie beherrschen. Tatjana sieht deshalb froh in die Zukunft, obwohl die Kommunikation immer Herausforderungen mit sich bringen wird: „Es fällt einem nicht immer leicht zu jemandem zu gehen um zu reden, und es verlangt Mut von jemandem der hört, zu einer Gehörlosen zu gehen“, fügt sie hinzu.

Zum Schluss frage ich sie, ob sie Hoffnung für die Zukunft hat: „Selbstverständlich, mehrere lernen die Zeichensprache. Andererseits habe ich Hoffnung darauf, beständig innerlich verwandelt zu werden, so dass ich mich beständig im Guten entwickle und dass meine Kinder die Wahrheit lieben und eine glückliche Zukunft bekommen.
 

Geschrieben von
Sigrunn Slettedal Bekkevold
Ort
Tønsberg, Norwegen
Datum
März 2010
verbunden mit
ein neues Leben
Gemeinschaft
Kommunikation
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