Ruth Wagner über ehrenamtliche Tätigkeit, Grenzerweiterung und ihr Erfolgsrezept

08.01.2014

Im schönen Ausflugsgebiet in Kärnten (Österreich), genauer gesagt in Mittewald ob Villach – an einem kleinen Veranstaltungsort –, finden wir ein fröhlich arbeitendes Küchenteam vor. Eine der Damen heißt Ruth Wagner. Neben ihr arbeitet mit vergnügter Miene, bewaffnet mit Küchenschürze und Geschirrtuch ihr Mann Walter.

Ruth und ihr Ehemann Walter

Ruth ist 59 Jahre alt und eine lebenslustige Frau. Durch die Verbindung mit Walter Wagner wurde sie Stiefmutter von neun Kindern. Später bekamen sie noch drei gemeinsame Kinder, wovon eines körperlich und geistig schwer behindert ist.  Ruth ist für die 33 Enkelkinder aus  Walters erster Ehe eine liebende und fürsorgliche Oma. Obendrein arbeiten sie und ihr Mann regelmäßig auf ehrenamtlicher Basis bei Veranstaltungen im Vereinsheim – so wie auch heute. Wir sind interessiert, wie sie das schafft und was ihre Motivation ist.

„Nein, es ist schön und entspannend zugleich“, antwortet Ruth auf die Frage, ob ihr das nicht eigentlich zu viel sei. Die Arbeit zusammen mit den anderen im Team macht mir große Freude. Hier ist mein Platz!“, meint sie lächelnd.

Schon in ihrer Kinder- und Jugendzeit verspürte sie ein starkes Verlangen, Gottes Willen für ihr Leben zu finden und besuchte verschiedene christliche Versammlungen. Geprägt von dem dort vorherrschenden Verständnis, Full-time-Missionar zu sein, erlernte sie anfangs keinen Beruf. Das war nicht leicht für sie, da sie eigentlich von einem lebensnahen Christentum begeistert war. Erst durch den Kontakt zu „Die Christliche Gemeinde“ (DCG) änderte sich diese Auffassung und sie absolvierte eine Hauswirtschaftsschule. „Ich bin so froh, dass ich die Dinge, die ich in meiner Ausbildungszeit gelernt habe, hier in Mittewald nun so einbringen kann“, sagt Ruth.

„Aufgaben sind wichtig für jeden – wichtig für das eigene Glück“

Unter der Woche ist ihr pflegebedürftiger Sohn in einer Tagesstätte. „Und ansonsten nehme ich ihn gerne mit nach Mittewald – das ist eine willkommene Abwechslung für ihn“, so Ruth.

Wir beobachten sie ein wenig und es ist nicht zu übersehen, wie sie ihre Arbeit beflügelt. Doch es liegt auf der Hand, dass sie eigentlich mit ihrer Familie und dem Haushalt auch so genügend ausgelastet wäre. Auf die Frage, warum sie sich für diese Aufgaben entschieden hat, überlegt sie kurz: „Natürlich geht nicht alles von selbst. Oft muss man seine persönlichen Grenzen etwas erweitern, um mehr leisten zu können, als nur das Alltägliche. Wenn man es für andere schön machen möchte, müssen es vielleicht nicht immer acht Stunden Schlaf sein. Auch manche Hobbys, Fernsehen oder das Lesen kann man etwas hinten anstellen. Aber prinzipiell gilt: Aufgaben sind wichtig für jeden – wichtig für das eigene Glück. Ich persönlich habe mein Glück wirklich gefunden und das motiviert mich enorm. Durch Walter und meine Familie, die ich durch und mit ihm bekam – nicht zuletzt durch unser behindertes Kind und die Arbeiten in Mittewald, ist mir ein überaus schönes und erfülltes Leben zuteil geworden“.

Ehrenamtlich tätig: Neben der Essenszubereitung übernimmt sie auch Einkauf und Teamverantwortung.

Ihr Rezept: „Entscheidungen gemeinsam treffen“

Walter und Ruth sind nicht nur in der Küche Mittewalds ein Team, wie sie erzählt. „Wir unterstützen uns gegenseitig. So erreichen wir gemeinsam mehr als einer allein. Unser Erfolgsrezept ist, Entscheidungen gemeinsam zu treffen. Oft kostet es Energie und Zeit, zusammen eine Lösung zu finden. Es ist uns beiden ein Herzenswunsch, es für andere so schön wie möglich zu machen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es auf dieser Basis immer einen Weg gibt", erklärt Ruth.